Salz, Staub und Sternenhimmel – Das bolivianische Altiplano
Es gibt Landschaften, die schreien nach Aufmerksamkeit. Das bolivianische Altiplano gehört nicht dazu. Es flüstert. Kilometerlang. Manchmal sogar stundenlang. Und genau darin liegt sein Reiz. Wer hierher reist, sucht keine Sehenswürdigkeiten im Minutentakt. Er sucht Straßen, die scheinbar ins Nichts führen, Dörfer, in denen die Zeit ein anderes Tempo kennt, und Nächte, in denen die Milchstraße heller leuchtet als jede Straßenlaterne – was nicht schwer ist, denn Straßenlaternen gibt es hier kaum.
Unsere Fotoreise führte uns quer durch den Südwesten Boliviens. Nicht (nur) auf der Jagd nach Postkartenmotiven, sondern auf der Suche nach den Bildern zwischen den großen Landschaften.


Unterwegs ist das Ziel
Im Altiplano misst man Entfernungen nicht in Kilometern, sondern in Stunden. Und manchmal auch in Staub. Viel Staub. Unsere Jeeps wurden für einige Tage zum zweiten Zuhause. Die Fahrer kannten jede Piste, jedes ausgetrocknete Flussbett und jeden Pass, den man auf keiner europäischen Straße freiwillig befahren würde. Während wir Fotografen über Licht, Brennweiten und den Bildaufbau diskutierten, lenkten sie ihre Fahrzeuge mit stoischer Gelassenheit durch Geröllfelder und über schmale Bergstraßen. Irgendwann hört man auf, sich über die nächste Kurve Gedanken zu machen, und beginnt einfach, aus dem Fenster zu schauen.
Genau dort entstanden viele der Bilder dieser Serie: auf einsamen Straßen, irgendwo zwischen Himmel und Erde.



Wo die Straße plötzlich Geschichten erzählt
Die kleinen Dörfer waren für mich die eigentliche Überraschung der Reise. Nicht spektakulär, nicht geschniegelt für Touristen – der Alltag läuft unbeirrt weiter. Eine Frau vor ihrem Haus. Ein Lama, das zwischen seinen Terminen mitten auf der Straße stehen blieb. Häuser aus Adobe, staubige Wege und eine Stille, die man in Europa fast vergessen hat. Als Fotograf lernt man hier schnell, Geduld zu haben. Nicht jeder Moment will eingefangen werden. Manche Szenen entwickeln sich erst, wenn man aufhört, nach ihnen zu suchen.



Die längste Nacht der Reise
Die geometrischen Salzstrukturen ziehen sich bis zum Horizont, als hätte jemand die Landschaft sorgfältig mit einem Lineal geordnet. Mit Einbruch der Dunkelheit zeigte das Altiplano noch einmal eine völlig andere Seite. Fernab jeder größeren Ortschaft spannte sich die Milchstraße als leuchtendes Band über den Himmel. Die Jeeps, die tagsüber unser Transportmittel gewesen waren, wurden zu kleinen Ankern in einer Landschaft, die plötzlich unendlich wirkte.


Nur die Temperaturen erinnerten uns daran, dass Romantik ihre Grenzen kennt. Während die Kameras geduldig ihre Langzeitbelichtungen sammelten, versuchten wir Fotografen herauszufinden, wie viele Kleidungsschichten ein Mensch tragen kann, ohne seine Kamera nicht mehr bedienen zu können. Die Antwort lautet: überraschend viele.
